E-Phönix aus der Asche

Verschollen, vergessen und wiederauferstanden: das Elektromobil

Die Geschichte der Elektromobilität erzählt vom Überholtwerden und Überholen, vom Verschwinden und Wiederauftauchen, vor allem aber: von Tüftlern und Machern.

Frau im Elektroauto um 1910

Elektromobilität. Als Automobile noch wie Karossen aussahen – majestätisch, geschwungen, ausladend, elegant – hatte die Elektromobilität bereits einen Peak erreicht. Es war die Zeit, als die Bilder laufen lernten, die Ära der Stummfilme. Ende des 19. Jahrhunderts war vieles in Bewegung.

Die Briten William Ayrton und John Perry, deren „Stromer“ erstmals straßentauglich war, verfolgten als Wissenschaftler nicht vorwiegend wirtschaftliche Interessen. Ihnen ging es darum, ihre Entwicklung der Fachwelt bekannt zu machen. An der Technologie zu feilen, reizte sie mehr, als die „Kauf-mich“-Trommeln zu schlagen.

Anders Bertha Benz. Sie hatte ein Gespür für wirksame Auftritte – und für die Benziner ihres Ehemanns eine unternehmerische Vision. Die trieb sie mit eigenen finanziellen Mitteln, technischem Geschick und großem persönlichen Einsatz voran.

Mehr E-Fahrzeuge als Benziner

So kam es, dass die Elektrowagen des frühen 20. Jahrhunderts von Viertaktern überholt und schließlich vollends verdrängt wurden. Bis dahin machten sie 38 Prozent aller Automobile auf deutschen Straßen aus, fast so viel wie dampfbetriebene Fahrzeuge. Nur zu 22 Prozent war ein Verbrennungsmotor der Antrieb. So jedenfalls lauten die Zahlen, die Zeit online vorlegt. [ https://www.zeit.de/auto/2011-11/elektroauto-pionier]

Dass Benzin als Treibstoff aber einen so durchschlagenden Erfolg hatte, lag nicht nur an klugem Marketing. Erdöl wurde billig angeboten zu jener Zeit, Umwelt- und Klimaschutz war noch kein Thema.

Billiges Erdöl stoppt E-Entwicklung

Zudem waren mit einer Benziner Langstreckenfahrten einfacher – ebenso wie das Auftanken der Automobile. Schon zur Hochphase des Elektromobils war dessen Reichweite kurz und das Laden mühsam. Während es Leichtbenzin als Fleckenentferner überall in Apotheken zu kaufen gab, waren für den Elektroantrieb externe Generatoren nötig.

In den USA wurden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bald am Fließband produziert, und schon vor dem Ersten Weltkrieg gerieten auch in Europa Elektroautos ins Hintertreffen. Bis auf kleine Sektoren verschwanden sie bis in die 1990er Jahre fast ganz aus dem Straßenbild.

Weltweiter Zeitgeist

Dabei hatte es so vielversprechend angefangen. Dem Elektro-Antrieb von William Aryton und John Perry vorausgegangen waren ähnliche Konstrukte in Frankreich. Auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris präsentierten 1881 Charles Jeantaud einen Elektro-Einspanner – und Gustave Trouvé ein strombetriebenes dreirädriges Fahrrad. Trouvés E-Dreirad gilt als erstes Mobil mit Elektromotor und aufladbarer Batterie. Auch wenn es schon in den 1830er-Jahren in Schottland und 1840 in Deutschland Versuche ab, sich mit Hilfe von Strom fortzubewegen.

Mit einem „Tricycle“ machten auch Aryton und Perry erste Aufsehen erregende Erfahrungen, ein Jahr nach Trouvé. In Deutschland experimentierte 1882 Werner Siemens mit einer Oberleitungs-Kutsche, dem so genannten „electromote“. 1890 folgten neue dreirädrige Modelle in den USA.

Kaiser Wilhelm II im E-Auto

Die ersten Elektroautomobile mit vier Rädern begannen in den späten 1880er-Jahren Gestalt anzunehmen, in Europa und den USA fast zeitgleich. Die Zeit für E-Mobilität schien reif. Selbst Kaiser Wilhelm II ließ sich – unter anderem – in flotteneigenen Elektroautos chauffieren.

Die Entdeckungen und Entwicklungen jeder Zeit basierten alle auf einer Innovation des britischen Forschers Michael Faraday, der mit dem „Faradayschen Käfig“ aus dem Schulunterricht bekannt sein dürfte. 1821 zeigte er, wie Elektromagnetismus zu einer permanenten Rotation führt.

Batterie als Herausforderung

Noch lang glichen Elektro-Fahrzeuge im Aussehen Pferdekutschen. Der Fokus lag zunächst auf den Batterien. William Morrison, Andreas Flocken, Henry G. Morris und Pedro G. Salom, Isaac Rice, Hiram Percy Maxim, Louis Antoine Kriéger und Camille Jenatzy gehören zu den Pionieren, die für Elektrofahrzeuge ansehnliche Reichweiten und Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern möglich machten.

Ferdinand Porsche kombinierte um 1900 elektrische Radnaben- und Verbrennungsmotoren – und schuf damit das erste Hybridfahrzeug.

Dann wurde es ruhig ums Elektroauto.

Zeitsprung

Erst in den 1970er blitzten das Thema wieder auf, kurz nur, ohne großes öffentliches Interesse, ohne wirtschaftliche Ambitionen. Es brauchte weitere 20 Jahre bis zu neuen Versuchen, mit E-Fahrzeugen in Serie zu gehen. Um massentauglich zu sein, gab es aber immer noch zu viele Hürden, so dass die Nachfrage ausblieb.

Der US-amerikanische Hersteller Tesla produzierte 2006 schließlich einen Elektro-Sportwagen, der es ohne neu laden zu müssen 350 Kilometer weit schaffte – und schnell war. Ein Durchbruch! Wenige Zeit später legten andere Hersteller nach; aus den Fabriken kam jetzt das Elektroauto für jedermann.

Lösungen in globaler Not

Gesellschaftlich und politisch ging es in der Mobilität mittlerweile um ganz andere Themen.    Klimawandel, CO2, Feinstaub. Bis 2030 sollen die Emissionen von Neuwagen europaweit um ein Drittel gegenüber 2021 sinken, so der politisch Wille. Die E-Mobilität bietet Lösungen. Die Hürden der Anfangsjahre sind niedriger geworden, handhabbarer. Den Kinderschuhen entwachsen, geht es jetzt ums Feintuning.